Südländisches Flair bei der historischen Stadtführung in Landsberg

Südländisches Flair bei der historischen Stadtführung in Landsberg

Lange mussten wir auf das DJK-Kulturangebot verzichten. Umso schöner war deshalb die historische Stadtführung in kleiner Besetzung am 24.07. in Landsberg. Stilecht in historischem Gewand begrüßte uns die Stadtführerin Frau Fichtl und bescherte einen kurzweiligen und lehrreichen Nachmittag.

Landsberg wurde bereits 1135 gegründet und erfuhr seinen Aufschwung vor allem durch den Salzhandel. Ausgehend vom historischen Rathaus, das vom berühmten Baumeister Dominikus Zimmermann seine besondere Note bekam, ging es über den Marienbrunnen hinunter zum Lech.

Dort erfuhren wir interessante Details zu den Flößern, die ihre Waren zum Teil aus Italien Richtung Augsburg auf der Wasserstraße transportierten. Landsberg war früher eine kleine Handwerker- und Händlerstadt. Früher waren viele Weber ansässig, die aber nach Augsburg vertrieben wurden, da sie nicht katholisch waren. 1350 wurde das große Wehr gebaut: eine Floßrutsche kurz nach der Brücke von Heinrich dem Löwen diente in der damaligen Zeit als „Umgehungsstraße“ für deren Befahrung Flußzoll bezahlt werden musste. Für die Gerber und Färber wurde der Mühlenkanal ausgehoben an den sich einer der großen Salzstadel fügte. An der Salzstraße stand das Salz drei Tage zum Verkauf, die Händler begaben sich auf den holprigen Straßen durch die Stadt und deckten sich hier ein. Salz war wichtige Nahrungsgrundlage und wurde vor allem dazu verwendet, um Speisen lange haltbar zu machen. Es wurde auch weißes Gold genannt und wurde zum Schutz vor Hochwasser im 1. Stock gelagert. Heute sind die schmucken Häuser des Salzstadels vermietet und finden reißenden Absatz. Weiter ging es zum Hexenturm, wo sich früher eine Arrestzelle befand. Die Scharfrichter waren als Vollstrecker für die Urteilsfindung zuständig. Das Geständnis der Angeklagten war Voraussetzung für den Urteilsspruch, so dass hier mit diversen Foltermethoden das eine oder andere Mal nachgeholfen werden musste.

Das beeindruckende Stadtbild Landsbergs mit seinen wunderschönen, pastellfarbenen Hausfassaden haben wir dem Ensembleschutz der Stadt zu verdanken. Dieser schreibt Regeln für An- und Umbauten vor und bestimmt auch die Farbpalette für die Farben der Häuser.

In der Johanniskirche bestaunten wir das aufwändig gestaltete Rokoko-Bühnenbild und die wunderschönen Deckenfresken, die Bilder aus dem damaligen Leben zeigen. Auch diese Kirche ist ein Werk des berühmten Dominikus Zimmermann. Am Blatternhaus bekamen wir einen Einblick in damalige Quarantänesituationen: Hier wurden die Pockenkranken behandelt. An der gothischen Frauenkirche vorbei gelangten wir in eine geheime Gasse, die vor Feuchtigkeit nur so triefte. Durch das Handwerkerviertel lernten wir die damalige Arbeitsstätte der Gerber kennen. Hier entstand danach ein Künstlerviertel mit Malkursen für Münchner Mädchen, die zigarrenrauchend für allerlei Empörung in der Landsberger Bevölkerung sorgten. Am 1425 errichteten Bayertor wurde die Stadt eindrucksvoll repräsentiert. Dieses Tor war lange Zeit die einzige Möglichkeit, in die Stadt zu gelangen. Durch enge Gassen zwängten sich die Pferdefuhrwerke übers holprige Kopfsteinpflaster. Die Türen der angrenzenden Häuser durften damals nicht abgeschlossen werden, so dass im Notfall die Flucht in die Häuser möglich war. Ein Pferdemetzger direkt an der Strecke kümmerte sich in diesem Fall gleich um die Pferde….

Den Abschluss der äußert lehrreichen Führung bildete die Jesuitenkirche Heilig-Kreuz, die hoch über Landsberg thront. Von dort ging es zum wohlverdienten Kaffee und Kuchen am Mutterturm, wo der Tag in geselliger Runde gemütlich ausklang.