Zu einer Stadtführung der besonderen Art begrüßte uns Hexe Jutta am Marienbrunnen in Friedberg mit schaurig schönen Geschichten und interessanten Informationen. Der Marienbrunnen als Kern der Stadt wurde 1599 zum Dank an die Erlösung von der Pest errichtet. Ab diesem Zeitpunkt pilgerten die Friedberger einmal im Jahr zur Wallfahrt auf den Heiligen Berg nach Andechs- eine Tradition, die bis heute anhält. Mit Blick aufs wunderschöne Friedberger Rathaus und den Marktplatz erfuhren wir, dass keines der bestehenden Häuser vor dem 17.Jahrhundert gebaut wurde und auf dem jetzigen Parkplatz regelmäßig der Pferdemarkt stattfand. Getankt wurde damals noch in richtigen Apotheken, heute hat das Benzin eher Apothekenpreise…. Auf dem Rathausplatz fand auch die Bäckertaufe statt: Ein gängiges Mittel, um Bäcker für zu klein oder zu dunkel geratenes Brot zu bestrafen.
Bestraft wurden auch die als Hexen verurteilten Frauen. Bereits ab 12 Jahren konnten Mädchen verurteilt werden. Ein Gerücht oder eine anonyme Anzeige unterstützt durch Augenzeugenberichte reichten hierfür aus. Durch gnadenlose Foltermethoden wurden die Geständnisse erzwungen und die Hexen bei lebendigem Leibe verbrannt.
Weiter ging es zur Stadtpfarrkirche St. Jakob, deren Kirchturm 1868 ins Haupthaus eingestürzt ist. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Von heute auf morgen stand Friedberg ohne Kirche und ohne Geld da…. Bei einer kurzen Kirchenführung entdeckten wir einen lehmig-strohigen Kirchenbesucher in den Reihen: Vinzenz Pallotti, der von den Kirchenbesuchern anfangs sehr skeptisch beäugt wurde.
Entlang der ehemaligen Stadtmauer genossen wir das Flair der kleinen Häuser, früher das Armenviertel der Stadt. Hier waren auch die Kordonisten (Polizei) untergebracht. Am alten Wasserturm konnte Wasser aus der Friedberger Ach heraufgepumpt werden, so dass die Wasserversorgung sichergestellt war. Ein wichtiges Standbein in Friedberg war das Uhrmacherhandwerk. Vor der Erfindung der Uhr gab die Sonne oder verschiedene Glocken den Tagesrhythmus vor. So wussten die Bewohner, wann Markt war oder wann das letzte Bier beim Ausschank bestellt werden konnte. Die Friedberger Uhrmacher standen in ständiger Konkurrenz zu den Handwerkern in Augsburg. Friedberg hatte allerdings den Vorteil, dass die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger waren. Ein besonderes Zuckerl für die Anwohner war der Anspruch auf einen Krautgarten, so dass Obst und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut werden konnten. Eine besondere persönliche Note hatten die Ketten der Taschenuhren: Hierfür opferten Frauen sogar ihre langen Zöpfe.
Nach der Besichtigung des Spitalgartens und des ersten Friedberger Krankenhauses, zeigte Hexe Jutta uns noch den beeindruckenden Sitzungssaal des Rathauses.
Zum Abschluss bekamen wir noch einige Tipps zur Abwehr von Hexen mit auf den Weg: Streue Salz auf die Türschwelle oder stecke ein Messer ins Schlüsselloch, dann wird sich keine Hexe in dein Haus verirren!

