Liebe Mitbrüder, sehr geehrte Damen und Herren,
die völkerrechtswidrige Invasion Russlands in die Ukraine schafft unfassbares Leid, das sinnlose Sterben so vieler Menschen macht uns sprach- und fassungslos. Der Hlg. Vater ruft alle Christen in der jüngsten Generalaudienz dazu auf: „Begleiten wir das ukrainische Volk,
das unter den Bombardierungen leidet“. Die Grausamkeit des Krieges mitten in Europa führt nach den Worten des UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi möglicherweise zur „größten Flüchtlingskrise Europas in diesem Jahrhundert. Ungeachtet der überwältigenden Solidarität und Gastfreundschaft in Nachbarländern und von Privatpersonen wird die Unterstützung der
Neuankömmlinge noch viel mehr Kräfte erfordern“. Das UN-Flüchtlingskommissariat geht derzeit davon aus, dass rd. 5 Millionen Menschen aus den Kriegsgebieten fliehen werden, in der überwiegenden Mehrzahl Frauen und Kinder, ca. 900.000 Flüchtenden ist jetzt schon über
die Grenzen unserer östlichen Nachbarstaaten der Weg in die europäische Union gelungen.
Der Strom der Flüchtenden erreicht mittlerweile auch unsere Heimat und gerade wir Christen müssen jetzt Gastfreundschaft und tätige Nächstenliebe an den Leidenden und Traumatisierten, die zu uns kommen leisten, denn „die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten
gehört zum Selbstverständnis der Kirche. Unsere christliche Identität tritt gerade dann besonders deutlich zutage, wenn jede Person, die in unserem Land Zuflucht sucht, menschenwürdig behandelt wird“1. Neben den staatlichen und kommunalen Stellen müssen auch wir unsere Beiträge, zunächst als Nothilfe, für die Flüchtenden erbringen. Wir bitten daher alle kirchlichen Verantwortungsträger „mit der notwendigen Kreativität und Offenheit zu prüfen, welche Objekte (z.B. Pfarrheime, leerstehende Pfarrwohngebäude etc.) rasch und unkompliziert den Kommunen zur Aufnahme von Flüchtenden angeboten werden können“2. Wir bitten auch die vielen Ehrenamtlichen, die sich schon bei der Flüchtlingskrise in den Jahren nach 2015 in so hervorragender und vielfältiger Weise um die Flüchtenden aus Syrien gekümmert haben, auch jetzt wieder mit neuem Engagement und mitfühlendem Herz den Menschen der Ukraine zur Seite zu stehen. Auf allen Ebenen der Diözese werden aktuell Überlegungen angestellt, wie wir weitergehende Beiträge leisten können.
Vergessen wir auch nicht das Gebet um den Frieden. Viele Gottesdienste an Aschermittwoch, ganz besonders der Gottesdienst unseres Bischofs Bertram zusammen mit dem Apostolischen Exarchen der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh CSSR und dem evangel. Regionalbischof Axel Piper, waren schon dem inständigen Gebet um Frieden in der Ukraine gewidmet. Intensivieren wir unsere Gebetsbemühungen noch und bitten Gott den Allmächtigen um ein Ende des Leids und dauerhaften Frieden in der Welt. Für Friedensgottesdienste und –andachten empfehlen wir Ihnen dazu unter anderem die diözesane Vorlage „Beten für den Frieden“, die wir diesem Aufruf beilegen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Hacker
Generalvikar
1 AH 282 der Deutschen Bischofskonferenz – Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge
2 AH-282 a.a.O.

