Am Rande von Augsburgs Textilviertel zu leben und zu arbeiten, hinterlässt auch bei einem DJK’ler wie mir Spuren. Auf der Suche nach diesen begleiteten mich der Stadtführer Peter Krauß und 17 weitere Interessierte. Das Wetter war für eine Radführung ideal – solange wir immer Schattenplätze fanden für die Stationen mit Erklärung.
Wussten Sie schon, dass viele Augsburger seit Fuggers Zeiten ihr Geld mit Textil verdienten? Das Weberhaus am Moritzplatz ist ein sehenswerter, aber stummer Zeuge einer wechselvollen Vergangenheit, aber wir konzentrierten uns heute auf das Gebiet im Osten der Stadt, das in den letzten zehn Jahren eine große Wertschätzung und –schöpfung erfahren hat. Augsburg galt Ende des 19. Jahrhunderts als das „Manchester Deutschlands“, das Zentrum der Textilverarbeitung. Spinnereien und Webereien, Färbereien, Stoffdruck und –veredelung schufen zeitweise über 17.000 Arbeitsplätze in der Stadt, die meisten davon im Gebiet Am Schäfflerbach, Herrenbach- und Wolframviertel. Man merkt schon, dass die Nähe zu einer Vielzahl an Bächen und Lechkanälen wichtig war bei der Herstellung und Verarbeitung der Stoffe. Hierzu wusste Peter Krauß auch wertvolle Hintergründe zu den bekannten Wassertürmen, dem eigentlichen Wahrzeichen des neuen Weltkulturerbes.
Der Weg führte an Orten vorbei, die ehemals große Fabriken mit Weltruf zierten wie die NAK, die Schüle’sche, die SWS, AKS, Martini sowie die vier Werke der SWA, von denen noch das Fabrikschloss und der Glaspalast erhalten werden konnten. Aus den ehemals einfachen Arbeitersiedlungen wie im Kammgarn- oder Proviantbachviertel sind mittlerweile trendige Lifestyle-Quartiere entstanden mit dem Flair vergangener Industriedenkmäler. Die soziale Frage, mit welcher Motivation damals die Unternehmer ihren Arbeitern Wohnung, Bade- und Kinderhaus zur Verfügung stellten, bleibt nicht außen vor. Wer allerdings am Ende des Kapitels „Textilindustrie in Augsburg“ als Gewinner da steht, ist nicht in den Reihen der Arbeiter zu suchen. Aber auch ein Textilzar wie Hans Glöggler ist gescheitert. Bemerkenswert sind auch zwei Augsburger Frauen: Anna Barbara Gignoux (1725-96) als erfolgreiche Kattunfabrikantin (!) und Sina Trinkwalder, die mit ihrer ökosozialen Textilfirma Manomama neue Wege einer ressourcenschonenden und menschenfreundlichen Fabrikation sucht. Es gibt viel zu erzählen und zu entdecken – vielleicht folgt noch eine Wiederholung.

