Jakobusweg Etappe 6

Auf dem Weg

Erkenntnisse und Erlebtes auf dem Camino Francs vom Mai 2018

Obwohl es beim Pilgern unter anderem um Aufbruch und Loslassen geht, führt es immer auch zu

einem Ankommen bei sich selbst.

Es muss nicht unbedingt der Jakobsweg sein, sondern in erster Linie MEIN Weg, aber es ist doch

der Jakobsweg, mein Ziel, meine Bestimmung, meine Entscheidung. Ich weiß inzwischen auf was

ich mich da einlasse. Früh aufstehen, kurzes schnelles Frühstück, packen und fertig zum Aufbruch.

Zügig schreitet Uli (Leiter und Schrittmacher von der DJK) mit der Gruppe von 14 Teilnehmern aus dem Ort hinaus unserm nächsten Bestimmungsort entgegen der ca. 40 km entfernt liegt. Das diesjährige interessante Thema für unsere Tour wählte Uli aus dem alten Testament, Jakob der Enkel Abrahams.

Mit verschiedenen Elementen unterstützen wir die Suche auf der Pilgertour: Schweigezeiten,

Impulse und gemeinsames Singen und Beten. Weiter auf dem endlosen Band der Straße, auf

rauhem Schotterweg, oder eines bewachsenen Pfades der sich in der beschaulichen Hügellandschaft hinauf schlängelt, lassen wir Stück um Stück unsere grübelnden Gedanken zurück. Auf einem ebenen Wegstück wollen wir den täglichen Rosenkranz beten, den unser ältester Pilger Franjo schon in der ersten Jahresetappe eingeführt hat. Gegrüßet seist du Maria voll der Gnade……..Heiliger Jakobus bitte für uns, betet die linke Seite, Heiliger Jakobus erhöre uns, antwortet die rechte Seite der marschierenden Pilger. Da ja Marschieren, Beten und Singen durstig macht, muss der Wasser-haushalt ergänzt werden, die kleine Erfrischung hat es wieder erträglicher gemacht; dabei wird auch viel erzählt vom Pilgern der vergangenen Jahre, man tauscht sich aus, man öffnet sich, erzählt von seinen Erlebnissen, Unternehmungen und mancherlei Erschwernissen und Sorgen. Wer einmal dabei war, bei diesem Haufen der Unentwegten, der versteht den tieferen Sinn dieser Art der Pilgerei. Weitab vom motorisierten Lärm des Straßenverkehrs zeigt uns die romantische beschau-liche Landschaft seine tiefen Reize und bietet sich als Schöpfungsland in lichterfüllter Farbigkeit dar. Nachdenklich stimmt einen die Betrachtung der vielen Pilger, die sich quälen: einzeln, ob männlich oder weiblich oder in Paaren, die schwere Last des vollgepackten Rucksacks, den langen, schweren Weg der Unsicherheit, des Ungewissen, des Wetters und das sich zur Ruhe Legen in einfachsten Gemeinschaftsunterkünften. Ein kurzes stilles Innehalten in Kirchen, Kathedralen mit überschwänglich, reichlich ausgestatteten Innenräumen. Es ist für uns stille Betrachter eine Segens-stunde diese Bilder mit vollen Sinnen aufnehmen zu dürfen. Abwechslungsreiche Augenblicke sind die interessanten, geschichtlichen Ausführungen von Sehenswürdigkeiten über historische Orte, Städte und Denkmäler von unserem Rainer. Willi wird uns mit seinen hervorragenden Bildern und Fotos einen bleibenden Nachweis auch für unsere Nachkommen erbringen. Von unserem Begleit-fahrer Franz werden wir stets bestens versorgt.

Es befallen einen immer wieder Augenblicke der Einsamkeit, aber es ist diese angenehme Seite der Einsamkeit, allein mit sich, allein mit der Natur, in sich gehen, sich fragen, warum mache ich diese

nicht leichte Pilgerschaft, warum gehe ich nach Santiago de Compostela, oder Nachdenken über seine Sorgen, Nöte und Anliegen oder ganz einfach die herrliche Natur und Landschaft des Camino Frances betrachten und in die Stille hören. Besorgte Blicke in die Reihen der Teilnehmer, denen man die Anstrengung zwar ansieht, die aber ein freudiges Lächeln in ihren Gesichtern zeigen. Ein Blick nach oben, meine stumme Bitte, lass alle Pilger gesund und glücklich unser diesjähriges Ziel Burgos erreichen und uns unversehrt nach Hause zu unseren Lieben zurückkehren.

 

Herbert W. (75 Jahre)