Nostalgie pur: Führung durch die historische Wagenhalle

Die historische Führung in der alten Wagenhalle in der Blücherstraße bot einen spannenden Einblick in die bewegte Geschichte der Augsburger Straßenbahn. Die Halle war bis 1964 in Betrieb und wird heute vom Verein „Freunde der Augsburger Straßenbahn“ genutzt. Vereinsvorsitzender Walter Nusser führte die Besucher lebendig und kenntnisreich durch die Entwicklung des Nahverkehrs in Augsburg. Bereits 1881 fuhr die erste Pferdebahn auf der damaligen Normalspur (1435 mm) durch die Stadt, später wurde auf Meterspur umgestellt. Nach den Pferden kamen Dampfloks – laut, schmutzig und wenig komfortabel. Eine besondere Herausforderung war und ist der Perlachberg: der steilste von einer Straßenbahn befahrene Anstieg in Deutschland.Vor dem Bau des Hauptbahnhofs befand sich der Bahnhof am Roten Tor, der bis 1846 in Betrieb war. Besonders eindrucksvoll war das Besteigen der alten Straßenbahnwagen. Bis 1902 fuhren diese ohne Fensterscheiben – die Fahrgäste mussten wetterfest sein. Fahrer trugen dicke Mäntel und Pelzhandschuhe, dazu kam in jedem Wagen ein Schaffner, der die Fahrkarten verkaufte. Interessant war auch der sogenannte KSW – ein Kriegsstraßenbahnwagen, gebaut mit möglichst wenig Material, aber mit Platz für bis zu 88 Fahrgäste.

Jeden ersten Samstag im Monat kann man bei einer öffentlichen Rundfahrt das historische Flair selbst erleben. Viele alte Wagen verkehren heute noch weltweit – in Danzig, Saragossa, Hannover oder Darmstadt – teilweise sogar in originaler Elfenbeinlackierung samt Hasenbräu-Werbung. Während viele Städte 1973 den Straßenbahnverkehr einstellten, setzte Augsburg mit der GT 8 auf Erhalt. So konnten 1985 neue Fahrzeuge beschafft werden, die allerdings weniger Passagiere fassten, da sie Türen auf beiden Seiten besaßen. Heute fahren moderne Niederflurwagen durch die Stadt. Neue Modelle sind bestellt, ihre Reise beginnt in Valencia, führt per Schiff über Rotterdam und endet in Augsburg, wo sie zusammengesetzt werden. Ihre Lebensdauer beträgt rund 30–32 Jahre – deutlich mehr als die eines Busses.

Ein herzliches Dankeschön gilt Herrn Nusser für die informative und engagierte Führung durch die Geschichte der Augsburger Straßenbahn.