„Wie das Wasser in die Stadt kam“

Eine Stadtführung der etwas anderen Art gab es am 4. Juli in der Augsburger Innenstadt. Den Wegen des Wassers folgend radelten die Teilnehmer der DJK-Radlführung vom Augustusbrunnen am Rathausplatz durch die Altstadt und den Siebentischwald zum Hochablass. Nach fast 4 Monaten Corona-Lockdown die erste Veranstaltung des DJK-Sportverbandes: an der überwältigenden Teilnehmerzahl merkte man, dass der Durst auf Veranstaltungen groß ist. So konnten wir eine zusätzliche Nachmittagsführung anbieten, die auch sofort ausgebucht war. Beginnend mit den 3 Augsburger Prachtbrunnen (Augustus, Merkur und Herkules) erfuhren wir allerhand über die Fuggerschen Badeanstalten und die gewieften Tricks der Patrizier, günstig an Trinkwasser zu gelangen.

 

Am Wasserrad verdeutlichte Stadtführerin Petra Kraft von AugsburgTours anschaulich, wie das Wasser sämtlichen Handwerkern Erleichterung im anstrengenden Arbeitsalltag bescherte. Dies führte dazu, dass die  Augsburger Handwerkswaren in aller Welt begehrt und berühmt waren. An den Kanälen zeigte Frau Kraft auf, wo Färber und Gerber ihre Abfälle ins Wasser leiteten und der Kuhdung entsorgt werden durfte. Allerdings ist die Aussage, dass nicht in den Kanal gepinkelt werden darf, da aus dem Wasser Bier gebraut wird, ein Märchen. Es gab in der Stadt klare Vorgaben, wo das Wasser für den Gerstensaft entnommen werden darf. Während der Belagerung der Stadt wurde den Augsburgern sprichwörtlich „das Wasser abgegraben“: Wassersperren verhindert den Zugang zum Trinkwasser.

Heute sind die vielen Trinkwasserbrunnen in der Stadt nicht nur bei Touristen beliebt und die Bäche, Kanäle und Brunnen eine enorme Bereicherung für die Stadt. An der Stadtmetzg wurde mit durchfließendem Wasser das Fleisch gekühlt, so dass es 3 Tage länger haltbar blieb: Ein Segen, der bis 1900 genutzt wurde. Die Kanäle und Ablässe in und um Augsburg bilden ein komplexes System, das mit dem Fahrrad in 2 Stunden gut abgefahren werden konnte. So verweilten wir am Mittleren und Hinteren Lech bei St. Ursula, wo wir lustige Geschichten über nacktbadende, durchs Kloster laufende Schwimmer erzählt bekamen. An den Wassertürmen am Roten Tor vorbei radelten wir in den Siebentischwald. An der Kreuzung Reichskanal, Siebenbrunner Bach und Zigeunerbach führten wir interessante Experimente durch, um die anschauliche Fließrichtung der verschiedenen Gewässer zu verdeutlichen. Das Wasserwerk am Hochablass und der Eiskanal bildeten das Ziel der kurzweiligen Führung. Somit konnten wir 11 der 22 Weltkulturerbestätten der Stadt Augsburg besichtigen und mit vielen neuen Eindrücken entspannt nach Hause radeln.