Zwischen Grüner Basilika und Orchideenwiesen

Am 10. Juli fand die Radtour „Schatzwald Augsburg“ mit zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Kooperation mit der Umweltstation Augsburg statt. Referent Wolfhard von Thienen führte die Gruppe fachkundig durch den Augsburger Stadtwald und vermittelte dabei spannende Einblicke in die Geschichte, Ökologie und Bedeutung dieses einzigartigen Natur- und Kulturraums.

Zu Beginn erläuterte Wolfhard von Thienen die besondere Stellung Augsburgs als Wasserstadt. Die Stadt gehört mit ihrem historischen Wassermanagementsystem zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dieses Erbe sei nicht nur ein Zeugnis technischer Meisterleistungen, sondern verpflichte auch dazu, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen aktiv zu leben. Ein wichtiger Baustein dafür sei die Umweltbildung – weshalb Führungen wie diese einen festen Platz im Programm der Umweltstation Augsburg haben.

Mit dem Fahrrad führte die Tour entlang verschiedener Bäche und Kanäle des Stadtwaldes, die Teil des UNESCO-Welterbes sind. Die künstlich angelegten Wasserläufe haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und an die Bedürfnisse der Stadt angepasst. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts mussten rund 30.000 Einwohner mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Heute umfasst das Netz aus Kanälen und Bächen im Stadtwald rund 70 Kilometer. Das Wasserschutzgebiet zählt zu den größten Europas und ist bis heute von zentraler Bedeutung für die Trinkwasserversorgung Augsburgs.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Schätzlerbrunnens. Das 1908 errichtete, versteckt im Stadtwald gelegene Baudenkmal wird aufgrund seiner säulenartigen Architektur und der umgebenden Bäume auch als „Grüne Basilika“ bezeichnet. Gleichzeitig wurde deutlich, welche wichtige Funktion der Stadtwald als Erholungsraum für die Bevölkerung erfüllt und einen wertvollen Ausgleich zum städtischen Leben bietet.

Neben den kulturhistorischen Aspekten ging der Referent auch auf die aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel ein. Sinkende Grundwasserstände verändern den Stadtwald zunehmend, da immer weniger Wasser in den Bächen ankommt. Der Landschaftspflegeverband versucht deshalb, durch den gezielten Einbau von Steinen und Totholz die Fließgeschwindigkeit der Gewässer zu regulieren. Gleichzeitig entstehen dadurch wertvolle Laichplätze für Fische und neue Lebensräume für viele weitere Arten.

Über den historischen Galgenablass, der einst die Grenze zwischen Bayern und der Reichsstadt Augsburg markierte, führte die Tour weiter nach Siebenbrunn und zum Ochsengraben. An der Schießplatzheide konnten die Teilnehmer seltene Orchideen sowie zahlreiche Schmetterlinge bewundern. Gleichzeitig wurde aber auch sichtbar, welche Spuren extreme Wetterereignisse hinterlassen: Der verheerende Gewittersturm mit tennisballgroßen Hagelkörnern im August 2023 hat große Teile des Stadtwaldes schwer beschädigt und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Im Parkhäusl klang der informative und zugleich entspannte Ausflug in geselliger Runde aus. Die Teilnehmer nahmen zahlreiche neue Eindrücke über den Schatz vor den Toren Augsburgs mit und erhielten einen eindrucksvollen Einblick in das Zusammenspiel von Natur, Wasserwirtschaft, Geschichte und Klimaschutz.