Vom alten T-Shirt zum neuen Garn – Einblick in das mechanische Textilrecycling

Die Führung durch die Modellwerkstatt für Mechanisches Textilrecycling am ITA Augsburg bot den 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern spannende Einblicke in die komplexe Welt des Textilrecyclings. Die Idee zu dieser Veranstaltung hatte unser ehemaliger Vizepräsident Simon Krauß, der selbst im ITA Recycling Atelier arbeitet und die Gruppe durch die verschiedenen Stationen führte.

Schnell wurde deutlich: Um aus einem alten Kleidungsstück wieder ein neues Shirt herzustellen, ist eine komplette Prozesskette notwendig. Besonders wichtig ist dabei die Materialanalyse, die nach jedem einzelnen Verarbeitungsschritt erfolgen muss. Entscheidend für die spätere Qualität des recycelten Materials ist vor allem die Faserlänge. Denn je kürzer die Fasern werden, desto schwieriger wird ihre Weiterverarbeitung.

Zu Beginn der Führung ging es ins Labor, wo Simon Krauß die einzelnen Schritte der Materialanalyse erklärte. Dabei zeigte sich auch ein überraschendes Problem: Die Angaben auf den Kleidungsetiketten stimmen nicht immer mit der tatsächlichen Materialzusammensetzung überein. Dies erschwert die Sortierung und das Recycling erheblich.

Beeindruckend waren auch die Zahlen rund um die Altkleidersammlung: Rund 1,8 Millionen Tonnen Kleidung werden jedes Jahr abgegeben. Der Aufwand für die Sortierung ist enorm. Bislang erfolgt diese Arbeit fast ausschließlich händisch und am Ende entstehen rund 450 verschiedene Sortierkategorien. Das Projekt „NuCollect“ arbeitet deshalb an einem neuen Sortierkonzept, das die Prozesse künftig effizienter machen soll.

Ein weiteres Problem liegt in der minderwertigen Qualität vieler Billigtextilien, insbesondere von sehr günstiger Importware. Teilweise sind die Fasern so schlecht, dass sie kaum oder gar nicht wiederverwendet werden können. Gleichzeitig ist neue Billigware oft günstiger als hochwertige Kleidung aus dem Second-Hand-Laden. Die Folge: Immer mehr Menschen greifen zu kurzlebiger Fast Fashion, deren „Halbwertszeit“ entsprechend gering ist.

Besonders imposant waren die großen Maschinen der Modellwerkstatt, die die Textilien zunächst in Streifen schneiden und im weiteren Recyclingprozess immer feiner schreddern. Da die Fasern nach dem Recycling nie wieder ihre ursprüngliche Länge erreichen, muss vor dem Verspinnen zu neuem Garn frische Baumwolle hinzugefügt werden.

Im Verlauf der Führung erklärte Simon Krauß außerdem, dass der Recyclingkreislauf eigentlich eher einer Spirale gleicht: Mit jedem Verarbeitungsschritt nimmt die Materialqualität etwas ab. Deshalb gehe es nicht nur darum, möglichst viel zu recyceln, sondern auch darum, Kleidung wiederzuverwenden oder bewusster zu konsumieren. Die zentrale Frage lautet: „Brauche ich dieses neue Kleidungsstück wirklich oder habe ich nicht bereits genug im Schrank?“

Die Führung war äußerst interessant, kurzweilig und regte zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten an. Ein herzliches Dankeschön an das ITA Augsburg und besonders an Simon Krauß für die spannenden Einblicke in die Zukunft des Textilrecyclings.